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Winterfütterung beim Pferd – wenn aus Gras wieder Raufutter wird

Autorenbild: Kerstin Stoltenberg
Kerstin Stoltenberg
1. Okt.
5 Min. Lesezeit

Warum der Übergang in die kalte Jahreszeit mehr Aufmerksamkeit verdient als ein neuer Futtersack


„Pferde erzählen uns jeden Tag, wie es ihnen geht. Wir müssen nur lernen, ihre Sprache zu verstehen.“


Aus meiner Wissensreihe „Pferdegesundheit verstehen“


Im Herbst verändert sich nicht nur das Fell unserer Pferde.

Auch die Fütterung verändert sich.

Während wir uns im vorherigen Teil von „Pferdegesundheit verstehen“ mit dem Fellwechsel beschäftigt haben, schauen wir diesmal darauf, was sich mit dem Ende der Weidesaison im Futtertrog verändert.

Die Weidezeiten werden kürzer, das Gras wächst langsamer und irgendwann übernimmt wieder das Raufutter den größten Teil der täglichen Versorgung.

Für viele Pferde geschieht dieser Übergang ganz selbstverständlich.

Und trotzdem lohnt es sich gerade jetzt, genauer hinzusehen.

Denn Winterfütterung bedeutet nicht einfach:

„Jetzt gibt es wieder mehr Heu.“

Es geht um das ganze Pferd.


Pferd frisst Raufutter - Grundlage der Winterfütterung beim Pferd
Raufutter bildet auch im Winter die Grundlage der Pferdefütterung. Entscheidend sind dabei nicht nur Menge, sondern auch Qualität und Zusammensetzung.

Raufutter bleibt die Grundlage

Pferde sind darauf ausgelegt, über viele Stunden des Tages rohfaserreiches Futter aufzunehmen.

Im Winter wird diese Grundlage noch deutlicher sichtbar, weil frisches Weidegras immer weniger zur Verfügung steht.

Eine ausreichende Raufutterversorgung unterstützt nicht nur die Energieversorgung, sondern auch Verdauung, Beschäftigung und das natürliche Fressverhalten.

Dabei zählt nicht nur die Gesamtmenge. Auch die Verteilung der Raufutteraufnahme über den Tag spielt eine Rolle.

Als Orientierung wird die benötigte Raufuttermenge häufig in Relation zum Körpergewicht betrachtet. Dabei sollte jedoch auch der Trockensubstanzgehalt berücksichtigt werden.

Das ist besonders wichtig, wenn Heulage statt Heu gefüttert wird. Heulage enthält mehr Wasser – deshalb lassen sich die Kilogrammangaben von Heu und Heulage nicht einfach miteinander vergleichen.

Und auch Qualität, hygienischer Zustand und Zusammensetzung des Raufutters spielen eine wichtige Rolle.

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Heu oder Heulage?

Beides kann grundsätzlich geeignet sein.

Entscheidend ist, dass das Raufutter zum jeweiligen Pferd passt und hygienisch einwandfrei ist.

Geruch, Struktur, Feuchtigkeit und sichtbare Verunreinigungen sollten regelmäßig kontrolliert werden.

Doch selbst wenn das Raufutter gut aussieht und angenehm riecht, wissen wir noch nicht genau, was tatsächlich darin enthalten ist.

Gerade bei Pferden, bei denen Zucker- oder Energiegehalt eine besondere Rolle spielen, kann deshalb eine Raufutteranalyse sehr hilfreich sein.

Denn:

Was wir von außen sehen, verrät uns nicht automatisch, was im Futter steckt.

Eine solche Analyse kann zum Beispiel Aufschluss über Trockensubstanz, Energie, Protein, Zucker und verschiedene Mineralstoffe geben.

Gerade wenn ein Pferd leicht zunimmt, besondere Stoffwechselanforderungen hat oder die Ration gezielt zusammengestellt werden soll, können diese Informationen eine wertvolle Grundlage sein.

Wichtig ist dabei auch: Raufutter ist ein Naturprodukt. Unterschiedliche Chargen können sich in ihrer Zusammensetzung unterscheiden, selbst wenn sie äußerlich ähnlich aussehen.

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Der Wechsel sollte nicht plötzlich kommen

Wenn die Weidezeit zurückgeht und mehr Heu oder Heulage gefüttert wird, verändert sich auch die Zusammensetzung der Ration.

Deshalb ist ein möglichst gleichmäßiger Übergang sinnvoll.

Nicht jeder Tag muss exakt gleich aussehen.

Aber größere und abrupte Futterwechsel sind für das Verdauungssystem weniger günstig als eine schrittweise Anpassung.

Auch hier lohnt es sich, das eigene Pferd zu beobachten:

Frisst es wie gewohnt?

Verändert sich der Kot?

Wirkt es zufrieden und ausgeglichen?

Manchmal erzählen uns diese kleinen Beobachtungen mehr als jeder Futterplan.

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Braucht mein Pferd im Winter Kraftfutter?

Nicht automatisch.

Ein Pferd benötigt nicht deshalb Kraftfutter, weil der Kalender Dezember zeigt.

Entscheidend sind unter anderem Haltung, Bewegung, Alter, Gesundheitszustand, Raufutterqualität und Körperzustand.

Ein leichtfuttriges Freizeitpferd hat andere Anforderungen als ein älteres Pferd oder ein Pferd mit höherer Arbeitsleistung.

Gutes Raufutter kann bei vielen Pferden bereits einen großen Teil des Energie- und Nährstoffbedarfs abdecken.

Deshalb mag ich auch hier keine pauschalen Lösungen.

Die Ration sollte zum Pferd passen – nicht zur Jahreszeit allein.

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Das Auge kann uns im Winter täuschen

Mit zunehmendem Winterfell sehen viele Pferde plötzlich runder aus.

Doch Fell ist kein Körpergewicht.

Deshalb lohnt es sich, regelmäßig mit den Händen zu kontrollieren.

Wie gut lassen sich die Rippen fühlen?

Wie sieht die Oberlinie aus?

Bleibt die Muskulatur erhalten?

Wie fühlen sich Rücken und Kruppe an?

Hat sich der Bauchumfang verändert?

Gerade bei dichtem Winterfell ist Fühlen oft aussagekräftiger als reines Anschauen.


Körperzustand eines Pferdes unter dem Winterfell mit der Hand fühlen
Dichtes Winterfell kann den Blick täuschen. Regelmäßiges Fühlen hilft dabei, Veränderungen des Körperzustandes frühzeitig wahrzunehmen.

Wer sein Pferd regelmäßig abtastet, bekommt mit der Zeit ein immer besseres Gefühl dafür, was für dieses Pferd normal ist – und bemerkt Veränderungen häufig früher.

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Meine persönliche Erfahrung mit Bonny

Auch bei Bonny schaue ich im Herbst und Winter nicht nur darauf, was sie bekommt, sondern vor allem darauf, wie sie damit aussieht und sich anfühlt.

Sie bekommt ihre Raufutterration und zusätzlich eine kleine Menge eingeweichte Heucobs, in die ich Mineralien und Vitamine geben kann.

Inzwischen achte ich auch bewusster darauf, was tatsächlich in ihrem Raufutter steckt. Gerade der Zuckergehalt ist für mich ein Wert, den ich gerne kennen möchte.

Denn auch wenn zwei Heu- oder Heulagechargen äußerlich ähnlich aussehen, können ihre Inhaltsstoffe unterschiedlich sein.

Ich finde außerdem diese kleinen täglichen Routinen sehr hilfreich, weil ich dadurch automatisch genauer hinschaue.

Frisst sie wie gewohnt?

Wie wirkt sie?

Wie fühlt sich ihr Körper an?

Hat sich etwas verändert?

Gerade im Winter hilft mir das mehr als die Frage:

„Was füttern andere?“

Bonny ist für mich der Maßstab für Bonny.

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Mineralfutter und Ergänzungen

Mit dem Ende der Weidesaison verändert sich auch die Versorgung über frisches Gras.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass möglichst viele Zusätze nötig werden.

Mineralfutter und andere Ergänzungen sollten zur übrigen Ration und zum individuellen Bedarf des Pferdes passen.

Wer genauer wissen möchte, wie sein Raufutter zusammengesetzt ist, kann eine Analyse durchführen lassen und die weitere Versorgung darauf abstimmen.

Gerade bei Pferden mit besonderen Bedürfnissen ist das oft sinnvoller als eine pauschale Empfehlung.

Denn auch hier gilt:

Mehr ist nicht automatisch besser.

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Wasser wird im Winter manchmal vergessen

Auch bei kaltem Wetter müssen Pferde jederzeit ausreichend sauberes Wasser aufnehmen können.

Gerade beim Übergang von wasserreichem Gras zu trockenem Raufutter bekommt die Wasserversorgung noch einmal eine besondere Bedeutung.

Deshalb lohnt es sich im Winter nicht nur zu kontrollieren, ob Wasser vorhanden ist, sondern auch darauf zu achten, ob das Pferd wie gewohnt trinkt.

Bei Frost muss besonders darauf geachtet werden, dass Tränken und Leitungen funktionsfähig bleiben.

Für mich gehört die Wasserversorgung deshalb genauso zur Winterfütterung wie das Raufutter selbst.

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Mein Winterfütterungs-Check

Nimm dir einmal pro Woche ein paar Minuten Zeit.

Fühl über Rippen, Rücken und Kruppe.

Schau dir dein Pferd von der Seite an.

Beobachte, ob es sein Raufutter ruhig und regelmäßig frisst.

Achte darauf, ob sich Kot, Verhalten oder Fressverhalten verändert haben.

Kontrolliere die Tränke.

Und frage dich:

Sieht und fühlt sich mein Pferd genauso an, wie es zu diesem Zeitpunkt für dieses Pferd passen sollte?

Es geht dabei nicht darum, jede kleine Veränderung sofort als Problem zu betrachten.

Es geht darum, den eigenen Blick und die eigenen Hände zu schulen.

Denn je besser wir den Normalzustand unseres Pferdes kennen, desto leichter fallen uns Veränderungen auf.

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Mein Fazit

Winterfütterung bedeutet für mich nicht, möglichst viele Futtermittel in den Trog zu geben.

Sie bedeutet:

Raufutter sichern.

Den Körperzustand im Blick behalten.

Veränderungen langsam gestalten.

Wasser nicht vergessen.

Und die Ration immer wieder am einzelnen Pferd überprüfen.

Denn auch beim Füttern gilt:

Nicht der Futtersack entscheidet, was ein Pferd braucht. Das Pferd selbst gibt uns viele Hinweise.

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Mein Impuls für dich

Wenn dein Pferd bereits dichteres Fell hat, fühl heute einmal ganz bewusst über Rippen, Rücken und Kruppe.

Nicht nur anschauen.

Fühlen.

Versuche dabei noch gar nicht, etwas zu bewerten.

Präge dir einfach ein, wie sich dein Pferd heute anfühlt.

Wenn du das regelmäßig wiederholst, entwickelst du mit der Zeit dein ganz persönliches Gefühl dafür, was bei deinem Pferd normal ist.

Und genau dieses Wissen kann im Pferdealltag unglaublich wertvoll sein.

 
 
 

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