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Gesundheit von Reiter und Pferd

Autorenbild: Kerstin Stoltenberg
Kerstin Stoltenberg
2. Sept.
4 Min. Lesezeit

Warum dein eigener Körper manchmal der wichtigste Schlüssel zur Gesundheit deines Pferdes ist


„Pferde erzählen uns jeden Tag, wie es ihnen geht. Wir müssen nur lernen, ihre Sprache zu verstehen.“


Wer mit Pferden lebt, kennt diese Situationen.

Das Pferd läuft plötzlich nicht mehr so locker wie sonst. Es fällt ihm schwer, sich auf einer Hand zu biegen, es zeigt Verspannungen im Rücken oder entwickelt immer wieder dieselben Bewegungseinschränkungen.

In meiner Arbeit als Pferdeosteopathin werde ich häufig gefragt, warum solche Probleme trotz guter Haltung, regelmäßigem Training oder bereits erfolgter Behandlungen immer wieder auftreten.

Natürlich untersuche ich zunächst das Pferd gründlich. Ich schaue mir seine Bewegungen an, ertaste Spannungen im Gewebe und betrachte den Körper als Ganzes. Doch im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass die Antwort nicht immer ausschließlich im Pferd zu finden ist.

Manchmal lohnt sich ein Blick auf den Menschen, der täglich mit ihm arbeitet.

Nicht, um Schuld zu verteilen.

Sondern um Zusammenhänge zu verstehen.


Reiterinnen sitzen entspannt auf ihren Pferden

Pferd und Mensch – ein gemeinsames Bewegungssystem

Beim Reiten begegnen sich nicht zwei voneinander getrennte Körper. Pferd und Reiter bilden vielmehr ein gemeinsames Bewegungssystem.

Das Pferd trägt nicht nur das Gewicht seines Reiters. Es passt seine Bewegungen bei jedem Schritt an dessen Sitz, Gleichgewicht und Körperspannung an. Schon kleine Veränderungen können Einfluss darauf haben, wie sich das Pferd bewegt.

Vielleicht kennst du das selbst.

Nach einem langen Arbeitstag steigst du mit verspannten Schultern oder schmerzender Hüfte in den Sattel. Vielleicht hast du Rückenschmerzen oder bemerkst gar nicht, dass du einen Steigbügel stärker belastest als den anderen.

Für dich fühlt sich das vielleicht ganz normal an.

Für dein Pferd ist es eine Information, auf die es reagiert.


Pferde nehmen mehr wahr, als wir oft glauben

Pferde sind Fluchttiere. Ihr Überleben hing über Jahrtausende davon ab, kleinste Veränderungen in ihrer Umgebung wahrzunehmen.

Diese außergewöhnliche Wahrnehmungsfähigkeit endet nicht beim Menschen.

Sie registrieren Veränderungen unserer Körperspannung, unserer Atmung, unserer Bewegungen und unserer Gewichtsverteilung. Nicht, weil sie unsere Gedanken lesen können, sondern weil sie unseren Körper lesen.

Je feiner wir uns bewegen, desto klarer können auch unsere Hilfen sein.


Kleine Asymmetrien mit großer Wirkung

Kein Mensch ist vollkommen symmetrisch.

Vielleicht sitzt du beruflich viele Stunden am Schreibtisch. Vielleicht hast du eine alte Knieverletzung, einen Beckenschiefstand oder eine eingeschränkte Beweglichkeit in der Hüfte. Viele dieser Veränderungen begleiten uns über Jahre, ohne dass sie uns im Alltag besonders auffallen.

Im Sattel können sie jedoch dazu führen, dass das Pferd dauerhaft eine Seite stärker belastet oder bestimmte Bewegungen ausgleichen muss.

Diese Kompensationen funktionieren oft erstaunlich lange.

Doch mit der Zeit können sie dazu beitragen, dass sich Muskelverspannungen entwickeln, Bewegungen schwerer fallen oder immer wieder dieselben Bereiche überlastet werden.

Natürlich entstehen solche Probleme nie nur aus einem einzigen Grund. Haltung, Training, Hufbearbeitung, Sattel, Fütterung und mögliche Erkrankungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Dennoch lohnt es sich, auch den Menschen als Teil des Gesamtbildes zu betrachten.


Die osteopathische Sicht

Die Osteopathie betrachtet den Körper niemals isoliert.

Muskeln, Gelenke, Faszien, Organe und das Nervensystem stehen in ständigem Austausch. Eine Veränderung an einer Stelle kann Auswirkungen auf viele andere Bereiche haben.

Dieses Prinzip endet für mich nicht beim Pferd.

Auch das Zusammenspiel zwischen Pferd und Mensch verdient einen ganzheitlichen Blick.

Wenn ein Pferd immer wieder dieselben Spannungen entwickelt, interessiert mich nicht nur, wo diese entstehen.

Ich frage mich vor allem:


Warum muss der Körper immer wieder kompensieren?

Manchmal liegt die Ursache im Pferd selbst.

Manchmal im Equipment.

Manchmal im Training.

Und manchmal lohnt es sich, auch den Menschen in diese Betrachtung einzubeziehen.

Denn eine osteopathische Behandlung kann Spannungen lösen und Beweglichkeit fördern. Damit das Ergebnis langfristig bestehen bleibt, sollten jedoch auch die auslösenden Faktoren erkannt und – wenn möglich – verändert werden.


Gesundheit beginnt bei beiden

Viele Pferdebesitzer kümmern sich mit großer Hingabe um ihre Tiere.

Der Sattel wird regelmäßig kontrolliert.

Die Hufe werden bearbeitet.

Die Zähne werden untersucht.

Das Training wird angepasst.

All das ist wichtig.

Ebenso wichtig ist jedoch, den eigenen Körper nicht aus dem Blick zu verlieren.

Vielleicht hilft dir regelmäßige Bewegung.

Vielleicht eine physiotherapeutische Behandlung.

Vielleicht ein gezieltes Mobilitäts- oder Krafttraining.

Es geht nicht darum, perfekt zu sein.

Es geht darum, den eigenen Körper wahrzunehmen – denn er ist ein Teil der Kommunikation mit deinem Pferd.


Reiterin geht entspannt neben dem Pferd

Mein Fazit

Als Pferdeosteopathin behandle ich nicht nur Bewegungseinschränkungen oder Verspannungen.

Ich suche nach den Zusammenhängen, die die Gesundheit eines Pferdes beeinflussen.

Denn jedes Pferd erzählt seine eigene Geschichte.

Manchmal liegt die Antwort in seinem Körper.

Und manchmal beginnt sie bei dem Menschen, der an seiner Seite steht.


🍃 Mein Impuls für dich

Beobachte dein Pferd heute einmal ganz bewusst.

Und dann richte den Blick für einen Moment auf dich selbst.

Wie bewegst du dich?

Wie atmest du?

Wie fühlst du dich, wenn du den Stall betrittst?

Dein Pferd bewertet dich nicht. Es reagiert lediglich auf das, was dein Körper ihm zeigt.

Vielleicht beginnt die Veränderung, die du dir für dein Pferd wünschst, genau dort.

Bei dir.


Über die Autorin

Ich bin Pferdeosteopathin und begleite Pferde und ihre Menschen auf dem Weg zu mehr Beweglichkeit und Wohlbefinden. Besonders wichtig ist mir dabei, nicht nur einzelne Symptome zu behandeln, sondern die Zusammenhänge zu erkennen, die die Gesundheit eines Pferdes beeinflussen. Denn nachhaltige Veränderung entsteht dort, wo wir den Blick auf das Ganze richten.

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